Ticketgalerie
Kunststiftung SA
mbc
caroxee
Navigation
Kopfzeile
www.aiyoota.com eCommerce Online-Shop ShopSoftware CMS Content-Management-System WDPX-Frank Wollweber, 38855 Wernigerode, Germany
share Twitter share Facebook share email

: Bühnen :: Spleenige Wucht :
Es gibt leichtes und gutes Sommertheater, das so lange in Erinnerung bleibt, bis der Morgenkaffee getrunken ist. Und es gibt Sommertheater, das seinen Platz in der Seele behauptet. Das die aktuelle Open Air-Veranstaltung des Neuen Theaters, die Inszenierung von Bertolt Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" in letztere Kategorie fällt, liegt an der grandiosen Performance von Hagen Ritschel

Text: Mathias Schulze; Bild: Anna Kolata

Im zweiten Teil der Inszenierung entrollt sich ein riesiges Totenschädel- Poster über die mehrstöckige weiße Bühne. Ein Totenschädel aus gelben Herzen, mitten aus den Augen schauen Knecht Matti und Kapitalist Puntila hinab aufs Publikum, die oben eingegossenen Flüssigkeiten müssen unten wieder heraus – wer kennt das nicht. Also auf den Hosenschlitz, also Wasser Marsch!

Abstand
So sprüht es fröhlich ins Publikum, Puntila findet in solchen Szenen Sinn und Erfüllung, im Suff spricht er seine Knechte als Freunde an. Matti, Kilian Ponert, spielt ihn gekonnt klar und souverän, weiß um diesen Selbstbetrug, also bedient er die den Kapitalisten immer wieder anheimfallende Identitätsstörung so wie Puntila sie braucht: Der Knecht als der eigentliche Herr.

Brecht musste auf der Flucht vor den Nazis im finnischen Exil seine geistige Ohnmacht bewältigen – das reale Grauen war unaussprechlich! Und Brecht glaubte, dass es das anfängliche Mitmarschieren für die Nazis nur gab, weil der Kapitalismus die vielen Knechte ins Elend gestoßen hatte.

Also musste es her, das Volksstück „Herr Puntila und sein Knecht Matti" (1940/41). Also musste das Herrschaftsverhältnis zwischen Herr und Knecht literarisch umgedreht werden. Also musste zwingend gelacht werden. In der Inszenierung von Robert Neumann ist alles drin, was ein unterhaltsames Sommertheater braucht: Slapstick, Musik, pfiffige Modernisierungen. Das Ganze ist ein flotter Spaß, die zweieinhalb Stunden verfliegen im Nu.

Und dann gibt es noch Hagen Ritschel, er spielt die Stereotype Puntila mit einer spleenigen Wucht, die in der Chronik der halleschen Theatergeschichte zwingend notiert werden muss. Ritschel rast, giftet, spukt, weiß ist das Gesicht, riesig sind die Schnapsbehälter, die er in sich hineinschüttet. Ritschel elektrisiert beängstigend, ein Tanz mitten im Wahnsinn, ein Tanz mitten in der kältesten Einsamkeit – und das im Hochsommer.

Das gute Ensemble, die Bühnenund Kostümkunst von Silke Pielsticker und der geistige Gehalt, wonach sich alle Knechte darum kümmern sollten, eigene Herren zu werden, wird von Ritschel in den Schatten gestellt. Eine große, eine ganz große Schauspielleistung. Bravo!

Herr Puntila und sein Knecht Matti, 5., 6. und 7. Juli, Hof des Neuen Theaters, jeweils 20.30 Uhr


Abstand
Abstand

Abstand
Abstand
Published by 17 Published by     Filed in 141 Filed in Bühnen
Abstand
blog comments powered by Disqus

Das aktuelle Heft

pic
E-PAPER
Bitte aufs Cover klicken!
Abstand

Mediadaten

pic


Printmediadaten finden 

Sie hier 

Abstand

Reise 2017

Abstand

Aktuelles Wetter in Halle

Abstand

Location-Suche

Suche Deine Location aus einer Vielzahl an Möglichkeiten:


Abstand