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: Bühnen :: Nichts gelernt :
Das Neue Theater zeigt ab 20. September Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise". Unter der Regie von Ronny Jakubaschk wird wieder der Liedermacher Bastian Bandt für die Musik zuständig sein, bevor er im Dezember in die Volksbühne am Kaulenberg kommt

Text: Mathias Schulze; Bild: Luna Nathalie Schön

Mathias Schulze hat bei Bandt nachgefragt.

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Seit 2008 arbeiten Sie als Theatermusiker mit dem Regisseur Ronny Jakubaschk zusammen. Liegt dieser Kontinuität fernab vom Zwischenmenschlichen eine gemeinsame ästhetische Vorstellung zugrunde?

Ja, natürlich. Ohne das wäre so eine lange gemeinsame Arbeit nicht nur sinnlos, sondern auch furchtbar langweilig für alle Beteiligten. Es geht darum, Geschichten zu erzählen. Und genau wie in der Musik, müssen sich die Mitwirkenden eines Theaterabends auf eine Sprache einigen, die Sprache, in der dann die Geschichte erzählt wird. Eine Ästhetik, ein Rhythmus, ein gemeinsamer Witz, nicht zuletzt ein Konsens darüber, was gar nicht geht, bis hin zu politischen Statements.

Es ist tatsächlich vergleichbar mit den Musikern einer Band und deren gemeinsamer musikalischer Sprachen, noch vielschichtiger sogar und bisher haben sich da Jakubaschk und Bandt immer wieder gefunden.

Wie genau kann man sich Ihre Arbeit des Theatermusikers vorstellen? Sind Sie eingebunden in die Idee, in den Spirit der Inszenierung, der bei „Nathan der Weise" sicherlich brandaktuell ist?

Ich versuche als Theatermusiker so viele Proben wie möglich zu sehen, von Anfang an und auch sehr früh in den Klang und den Rhythmus der entstehenden Szenen einzugreifen, wenn man mich lässt. Ich habe selten etwas fertig, bevor die Proben losgehen. So habe ich die Chance, mit dem Probenprozess mitzuwachsen und die Musik wirklich mitspielen zu lassen, damit sie hilft, die Geschichte zu erzählen und sie nicht nur untermalt. Das ist die Arbeitsweise, die ich mit Ronny Jakubaschk über die Jahre entwickelt habe und der Anspruch. Bei „Nathan" sieht es sehr danach aus, als könnten wir`s auch diesmal schaffen. Dass dieses Stück so brandaktuell ist, ist dazu sehr erschreckend und furchtbar beschämend. Ich meine, Lessing lässt es zur Zeit der Kreuzzüge spielen, und wir haben offensichtlich gar nichts gelernt seitdem.

Kommen wir auf Ihr „eigentliches Metier" zu sprechen. Man kann Sie als Spätberufenen bezeichnen, Ihre Karriere als Musiker erlebte mit dem Album „Alle Monde" (2018), das den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhalten hat, neue Sphären. Was veränderte sich durch diese Auszeichnung?

Es hat mich wahnsinnig stolz gemacht, diese Auszeichnung zu bekommen, ein Ritterschlag, so fühlte es sich an. Und ja, es ging mehr danach. Mehr Konzerte, fast hundert im letzten Jahr, vollere Häuser, mehr verkaufte Platten natürlich und mehr Geld. Aber ob wirklich der Preis für Veranstalter und Publikum ausschlaggebend war, oder mich einfach nur mutiger gemacht hat, weiß ich gar nicht.

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„Nathan der Weise – dass dieses Stück so brandaktuell ist, ist dazu sehr erschreckend und furchtbar beschämend.“

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Sie haben auch vor 2018 Musik gemacht, die durchaus in die großen Fußstapfen von Wenzel oder Gerhard Gundermann treten kann. Sie sind auch ein bisschen enttäuscht, dass die besagte „größere Anerkennung" vergleichsweise spät kam?

Nein, gar nicht, ich hatte ja immer zu tun und konnte immer gut leben, von und mit der Musik, dem Theater, den Liedern und den vielen zu erzählenden Geschichten. Manchmal zogen Kollegen an mir vorbei auf die großen Bühnen – und manche dadurch auch von mir weg. Und ich hab’ es manchmal auch nicht verstanden, aber dann war’s auch schnell wieder gut.

Obwohl Ihre Musik als allgemeinmenschlich zu verstehen ist, hört man doch auch Ihre Herkunft, den Osten, heraus. Das fängt ja schon damit an, dass man eindeutige Zeilen bei Ihnen glücklicherweise vergebens sucht, dass das Spiel mit der Doppelbödigkeit dominiert. Welche Erfahrungen haben Sie mit dieser „ostdeutschen Liedertradition" bislang in den alten Bundesländern gemacht?


Erstaunlich gut geht das. Wirklich erstaunlich, weil ich Schiss hatte, die Leute im „Westen" interessiert das im besten Falle herzlich wenig, im schlimmsten krieg’ ich Dresche. Aber ich spiele mittlerweile mehr Konzerte in den alten Bundesländern. Ich habe gemerkt, dass die Geschichten, wenn sie ehrlich erzählt sind, überall unabhängig vom gesellschaftlichen Kontext, in dem sie entstanden sind, doch immer eine Entsprechung finden in den eigenen Geschichten der Leuten. Und ja, das stimmt, es gibt eine ostdeutsche Art Lieder zu schreiben – glaube ich. Verstanden werden kann sie überall. Ich hab grad in Salzburg gespielt, ging prima!

Wie sehen momentan Ihre Pläne aus?

Wir sind gerade dabei, in Leipzig Aufnahmen und Videos zu machen für das neue Album und in Vorbereitung auf die Tourneen im nächsten Jahr. Ich habe zwei großartige Musiker gefunden, die mich auf dem Album und auch live begleiten werden: Georg Kostron am Bass und Lars Puder am Schlagzeug. Unter dem Titel „Bastian Bandt & Verstärker" werden wir dann 2020 auf Tour gehen. Solo- Konzerte wird es auch weiterhin geben. Immer.

Fans könnten befürchten, dass diese Bandpläne die bisherige Bandt-DNA gefährden …

… und zu recht. Veränderung, oder Weiterentwicklung, birgt immer auch die Gefahr des Scheiterns. Das macht sogar jeden wirklichen künstlerischen Prozess aus. Ich kann und will diesbezüglich den Hörern und Konzertbesuchern gar nichts Beruhigendes sagen. Wir werden das alle zusammen auf den Konzerten entscheiden, ob die neuen Lieder gelungen sind und der Sound, den Kostron, Puder und Bandt gefunden haben, diese trägt und anfassbar macht. Wir finden es gerade sehr geil, das muss erstmal reichen.


Nathan der Weise, ab 20. September, neues theater; Bastian Bandt spielt wieder am 6. Dezember in der Volksbühne am Kaulenberg, www.bastianbandt.de


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